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ring2
  • Freitag, 13.10.2017 um 08:36 Uhr

Diese 10 nervigsten PR-Floskeln sind wahr und diese sind Humbug

Mir flatterte jüngst ein launischer Text des Branchendienstes Meedia in die Timeline, in dem eine Umfrage aufgegriffen wurde, die die dpa-Tochter news aktuell erhoben hat. 640 Fach- und Führungskräfte aus Pressestellen und PR-Agenturen wurden gefragt, welche Phrasen ihnen am meisten auf die Nerven gehen.

Bullsh!t Bingo nervt professionelle Kommunikatoren

Am schlimmsten fanden die Profis die Aussage, dass "Influencer wichtiger als Journalisten" seien. 45 Prozent störte diese Aussage.


Es ist jetzt nicht sehr verwunderlich, dass Aussagen stören, die das eigene Selbstverständnis als Gatekeeper (PR) zu den bisherigen Gatekeepern (Journalisten) infrage stellen.

Dummerweise ist diese bingowürdige Weisheit aber richtig. Aus Markensicht sind Influencer, also Menschen, die andere Menschen in ihrem Entscheidungsprozess beeinflussen, die wichtigsten Stakeholder im Marketing. Journalisten sind - streng genommen - eine Teilmenge dieser Menschengruppe. Ohne Frage eine spezielle, aber auch eine - in ihrer Bedeutung - schwindende.

Welche PR-Floskeln sind denn zwar nervig, aber wichtig und richtig?

Im PR Trendmonitor 2017, in dem obige Umfrage erschien, finden sich insgesamt zehn "Floskeln", die die Befragten "nervig" finden. Aber welche davon sind außerdem noch richtig? Welche nicht nur nervtötend, sondern auch noch blanker Unsinn?

Die Top10 der nervigsten PR-Floskeln:

  1. Influencer sind wichtiger als Journalisten - richtig (s.o.)
  2. Content ist King
  3. Die Pressemitteilung ist tot
  4. Mobile, mobile, mobile.
  5. Wir müssen die Silos einreißen
  6. Live-Streaming revolutioniert die PR
  7. Marken müssen zu Medien werden
  8. Ohne Social-Media-Guide dürfen Mitarbeiter nicht im Internet kommunizieren
  9. Mitarbeiter sind die wichtigsten Botschafter des Unternehmens
  10. Kommunikation hat eine Führungsrolle in der digitalen Transformation

Content ist King

Marcus Tober, Gründer und CEO des SEO-Toolanbieters Searchmetrics, wird nicht müde zu betonen, dass "80 Prozent aller Online-Inhalte unsichtbar sind und in der Infodichte des Webs untergehen". Das lässt sich messen und ist für viele Marketing-Verantwortliche die generelle Bestätigung ihrer eigenen Erfahrung: Content allein, da mag er sich noch so königlich anfühlen, wenn er die Agentur verlässt, ist nur die halbe Miete.

"Die größte Herausforderung für Content Marketer besteht darin, wirklich relevante Inhalte zu erstellen", sagt Marcus Tober weiter.


Relevanz ist also King. Und ich würde dies insoweit ergänzen, dass relevante Kommunikation meist unter Nutzern stattfindet. Also nicht primär die Marke als Absender hat.


Diese Floskel nervt also nicht nur, sie ist auch noch falsch.

Die Pressemitteilung ist tot

Ja. Richtig.

Mobile, mobile, mobile

2016 betrug der Anteil mobiler Nutzung des Internets 36 Prozent. Weltweit lag er bei fast 50 Prozent und im wichtigen Referenzmarkt Asien weit über 60 Prozent. "Mobile first" war seinerzeit ein strategisch weitsichtiger Claim. Heute ist er eine Binsenweisheit, die wiederum durch Fakten untermauert wird.
Meinetwegen nervig. Aber tödlich, wenn man sie ignoriert.Immer noch richtig.

Wir müssen die Silos einreißen

Ok, das ist putzig. Ich habe noch keine Kommunikationsabteilung gesehen, die dazu in der Lage gewesen wäre. Der Grund: Wir sitzen doch fast alle selbst in Silos. Brand, Performance, Online- und Offline-Marketing steht darauf. Was brächte es, wenn wir alle ohne Silo da säßen, die Abgrenzung aber immer noch in unseren Köpfen steckte?
Silos einreißen kann ja sogar Spaß machen und auch sinnvoll sein. Ohne neue Prozesse und ein digitales Mindset (Vorsicht Buzzword) hilft das aber wenig. Und deswegen nervt der Spruch vielleicht auch so.


In meinen Augen ist er deswegen wenigstens halbfalsch.

Live-Streaming revolutioniert die PR

Das ist so verkürzt sicher nicht richtig. Richtig ist, was hinter dem Begriff "Live" steckt; die Reaktion von Marken und PR auf Echtzeit-Kommunikation. Live-Streaming wäre dann die aktive Teilnahme an dieser.


Also jein.

"Am Ende des Hypes um Content Marketing, werden viele Marken erkennen, dass sie wenig periodisch und substanziell zu erzählen haben, was Kunden langfristig interessiert", Erik Hauth, MAVENS

Marken müssen zu Medien werden

Quatsch. Und der nervt gewaltig.
Ja, es gibt Marken, die in der Lage sind, Kommunikation zu betreiben, bei der sie als eigenes Medium wahrgenommen werden. Sehr viele Marken aber stellen gerade desillusioniert fest, dass ihre Kunden sich kaum für ihre medial aufbereiteten Inhalte interessieren.
Die Annahme, dass Kunden "Fans von Brands" sein wollen, bspw. auf Facebook, hat sich in den letzten drei Jahren doch als echter Hoax herausgestellt.


Marken sollten vielmehr Enabler sein. Kommunikation von Nutzern untereinander organisieren, Medien sponsern, gerne auch die neuen Medienmacher, die man landläufig "Influencer" nennt.

Ohne Social-Media-Guide dürfen Mitarbeiter nicht im Internet kommunizieren

An dieser Stelle erzähle ich immer, wie erstaunt ich war, als ich zu Beginn meiner Karriere das CI-"Handbuch" eines meiner Kunden zugeschickt bekam. Immerhin eine der drei weltweit bekanntesten Marken seiner Zeit: MTV.


Dieses bestand aus einer Din A4 Seite und beschrieb genau, was man mit dem Logo NICHT machen durfte (bspw. das "tv" vom großen M trennen). Alles andere durfte man. Das Logo drehen, auf den Kopf stellen, aus ihm eine Kuh machen oder ein geschlachtetes Alien.


Was viele unter einem Social-Media Guide verstehen, ist aufgeblasene Bürokratie, die vor allem eines tun soll: den Einfluß der Kommunikationsabteilung sichern.


Die Aussage ist zwar richtig, ihre Ausführung nervt aber viele zu Recht.

Mitarbeiter sind die wichtigsten Botschafter des Unternehmens

Ja! Und das muss immer wieder gesagt werden, bis die Ohren jucken!
In der digitalen Umwelt treffen Nutzer, Kunden, langjährige, verärgerte und die in spe auf so mannigfaltige Weise auf ein Unternehmen, dass Kommunikation gar nicht mehr eingehegt werden kann.


Nimmt man die Erkenntnis dazu, dass Menschen die Aussagen anderer Menschen für wesentlich glaubwürdiger halten, als die Kommunikation von Marken, dann wäre es fahrlässig, die Menschen, die mein Unternehmen ausmachen, nicht an dieser wichtigen Kommunikation teilhaben zu lassen.

Richtig. Und richtig wichtig!

Kommunikation hat eine Führungsrolle in der digitalen Transformation

Puh. Ja, wenn man einen Kommunikator fragt. Fragt man einen Produktentwickler, dann ist die Entwicklung digitaler Produkte führende Aufgabe. Die IT widerspricht zwar still, aber nicht weniger energisch. Einigen wir uns darauf, dass Kommunikation wichtig ist, dann nervt der Satz auch nicht mehr so.

Die Punkte 1, 3, 4 und 9 sind demnach zwar nervig, aber ungemein wichtig - und richtig. Meiner Ansicht nach, müssen sie auch weiterhin permanent in die Debatte gedrückt werden, auch wenn wir damit weiter die Nerven von PR-Profis strapazieren.

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